Daniel Stiefel

Fruchtsaftkelterei 

Wir haben nichts zu verstecken. Hier schauen so viele Leute vorbei, da nehmen wir uns oft und gern die Zeit, ihnen den Betrieb zu zeigen. Auch Gruppen wie die örtlichen Kindergärten oder Schulklassen kommen auf Anmeldung. Doch weil ein beliebter Radweg am Haus vorbeiführt, ergeben sich auch immer wieder "Spontan-Besichtigungen".

Gerade im Herbst habe wir regelmäßig  Besuchergruppen da.  Ein beliebtes Projekt ist zum Beispiel, dass die Kinder beim Bauern auf der Streuobstwiese Äpfel lesen, diese dann bei uns in der  Kelterei verarbeitet werden und die Kleinen sich den Saft am Ende mit nach Hause nehmen. Unsere Art von Ehrenamt". Solches Engagement liegt uns weit mehr als Zeitungsartikel, Plaketten und Orden :-).

Wir engagieren uns überall etwas. Freizeit, Bildung, Sport oder Vesperkirche, wo es halt sinnvoll ist. Hinter den allen Entscheidungen steht wie immer natürlich der Familienrat.

Bei uns ist im Herbst immer Tag der offenen Tür

Solche und andere Entscheidungen trägt stets die ganze Familie. Oft wird lange über Lösungen diskutiert, doch dadurch sehen wir auch die vielen Seiten, die ein Problem haben kann."

So war das auch, als Michl auf die Idee kam, den anfallenden Apfeltrester für die Wärme-Erzeugung im Betrieb nutzbar zu machen. Am Ende der vielen Gespräche und Überlegungen stand eine moderne Anlage, die nicht nur den größten Teil des Energie-Bedarfs unserer Kelterei deckt, sondern sogar den Bio-Energie-Wettbewerb 2009 des Landes Baden-Württemberg gewonnen hat.

Ein Blockheizkraftwerk ergänzt die Leistung. Nachhaltiges Wirtschaften ist uns wichtig. Gleichzeitig müssen wir immer überlegen, wie wir Kosten reduzieren können. Aber eben nicht, indem wir einfach irgendwo billiger  Rohware einkaufen. Viel wichtiger ist es uns, glaubwürdig zu bleiben und uns selbst und unserer Tradition als Familienbetrieb treu zu sein.

unsere Ansprüche an die Nachhaltigkeit

Rund 200 Lieferanten bringen uns ihre Äpfel. 80 Prozent davon ernten ihr Obst von Streuobstwiesen und haben sich zu einer besonderen Art von Landschaftsschutz verpflichtet. Solche Wiesen, auf denen die Bäume hochstämmig wachsen, gehören in Mitteleuropa zu den am stärksten gefährdeten Biotopen. Nur zu oft müssen sie intensiven Wirtschaftsformen weichen.

Zwar gelten sie als besonders artenreiche und schützenswerte Lebensräume, doch für den Landwirt lohnt sich ihr Erhalt meistens nicht. Deshalb engagieren sich der Bund für Umwelt und Naturschutz und der Naturschutzbund Deutschland seit 1987 erfolgreich gegen diesen Trend und schaffen Möglichkeiten, dass das Obst für einen angemessenen Wert an den Markt kommt.

Natürlich sind wir Überzeugungstäter und von Anfang an dabei. Wir wissen das die Leute hier in der Region aufgeschlossen sind: Sie hinterfragen, was in der Landwirtschaft geschieht und wollen gute Produkte. So gingen wir auch kurz nach dem Start des Projektes, zu Beginn der 1990er Jahre, einen nächsten Schritt und ließen die Kelterei als Bio-Betrieb zertifizieren.

Naturschutz mit Hand und Fuß

Alte Rezepte und neue Technologien

Die meisten dieser guten Tropfen sind Direktsaft, das heißt 100 Prozent Frucht und 100 Prozent Genuss. Wobei sich die markanten Sorten der Streuobstwiesen dafür sehr gut eignen. Ein anderes, intensives Geschmackserlebnis bieten auch die sortenreinen, ungemischten Abfüllungen, in denen Boskoop, Rubinette, Jonagold und Elstar ihr Aroma voll entfalten.

Damit auch keine Nuance verloren geht, wenden wir mitunter die so genannte Kurzzeiterhitzung an, ein Verfahren, bei dem der Saft nur ganz kurz erhitzt wird. So bleiben die Vitamine und das volle Aroma erhalten. "Und das schmeckt man!", da sind wir uns sicher. Das gilt nicht nur für die Apfelsäfte, sondern auch für die vielen anderen Fruchtsorten, die wir herstellen.

Das heimische Obst für Apfel-Brombeer-, Apfel-Erdbeer- oder Apfel-Himbersaft stammt ausschließlich aus der Region. Wenn das nicht möglich ist, wie bei Mangos oder Orangen, kooperieren wir mit Lieferanten, die wir persönlich kennen, wie zum Beispiel beim Mangopüree mit dem DritteWeltPartner dwp in Ravensburg.

Unsere Lieferanten (die meisten sind über die Jahre zu Freunden geworden) sind uns ausnahmslos persönlich bekannt.Unsere Region ist eben klein. Außerdem käme es für uns nie in Frage, einfach blind oder nur wegen des Preises bei Lieferanten einzukaufen, die wir nicht kennen. Wir wollen schon wissen, wo und wie das Obst wächst bevor es in die Presse kommt.

Die feinen Netze, die heute zum Betrieb gehören, haben schon die Generationen vor uns gewebt. 1924 war unser Urgroßvater von der schwäbischen Alb eingewandert und gründete die Kelterei. "Das ist alles langsam gewachsen, sehr nachhaltig", Die Bauern wissen, sie können sich auf uns verlassen, auch wenn am Markt die Preise purzeln.

Umgekehrt wissen wir aber, dass unsere Lieferanten selbst in Jahren mit verführerischen Marktpreisen nicht einfach abspringen. Und das liegt nicht nur im Finanziellen und der freundschaftlichen Zusammenarbeit: "Es ist auch der Stolz der Bauern",  denn Sie geben uns gutes Obst, weil sie wissen, dass wir Gutes daraus machen."

Der Apfel fällt nicht weit vom Betrieb

Das Obst, das wir in unserer Kelterei zu Saft verarbeiten, kommt nicht von großen Plantagen, sondern von den Wiesen und Gärten der Bauern aus der Nachbarschaft. Die meisten von ihnen bauen die Früchte noch wie zu Großvaters Zeiten an, viele haben sich dem Öko-Landbau verpflichtet.

Hübscher heißt unser kleine Ort westlich von Ravensburg, wo wir zu Hause sind. Ein Name, der passender nicht sein könnte: Rundum nichts als die sanft gewellten Felder, Wälder und Wiesen des Schussentales. Dazwischen immer wieder einzelne Bäume und Hecken. Wie nebenan vor Nachbars Haus der knorrig alte, hoch gewachsene Apfelbaum. Es sind genau solche Charakterstämme, auf die wir setzen.

Herkunft & Tradition